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Rede des Botschafters auf dem Symposium "3. September"
2015/09/12

Sehr verehrte Ehrengäste,

meine Damen und Herren,

liebe Freunde,

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Nachmittag!

In diesem Jahr jährt sich der Sieg des chinesischen Volkes im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression zum 70. Mal, gleichzeitig werden die Vereinten Nationen 70 Jahre alt. In diesem signifikanten Jahr haben die Vereinten Nationen und die betroffenen Staaten Gedenkveranstaltungen verschiedenster Art abgehalten. Und heute vormittag Pekinger Zeit fand in Peking eine Reihe von Veranstaltungen statt, einschließlich einer Militärparade. Das Ziel der Militärparade war die Erinnerung an die Geschichte, das Gedenken an die Märtyrer, die Wertschätzung des Friedens und die Gestaltung einer neuen Zukunft. Ich heiße Sie im Namen der Chinesischen Botschaft in Deutschlan recht herzlich in unserer Vertretung willkommen zum gemeinsamen Gedenken an diese Daten der Geschichte. Besonders danken möchte ich den vier Referenten, die aus verschiedenen Blickwinkeln ihre Sicht dieser historischen Ereignisse darlegen werden. Recht herzlich danke ich auch unserem heutigen Moderator, dem bekannten ZDF-Journalisten Günter Ederer, der 6 Jahre lang Korrespondent in Japan war und außer über Japan und China auch über Mittelamerika und den Mittleren Osten berichtet hat. Darüber hinaus ist er ein angesehener Wirtschaftsjournalist, Filmemacher und Buchautor. Er ist außerdem ein alter Freund von mir, und ich bin sehr froh, dass er sich bereit erklärt hat, heute die Moderation zu übernehmen.

In Europa und in Amerika wird oft übersehen, dass der Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression ein wichtiger integraler Bestandteil des weltweiten Krieges gegen den Faschismus war; China war der Hauptschauplatz des Zweiten Weltkrieges im Osten, und Chinas Widerstandskrieg begann lange vor 1939, er dauerte am längsten und forderte die meisten Opfer. Vom “Mukden-Zwischenfall” am 18. September 1931 bis zur Kapitulation Japans 1945 dauerte der Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen den japanischen Militarismus ganze 14 Jahre an. China zahlte einen immensen Preis dafür, es starben mehr als 35 Millionen Soldaten und Zivilisten, der wirtschaftliche Verlust erreichte 600 Milliarden US-Dollar, an die hundert Millionen Chinesen hatten ihre Heimat verloren und irrten als Flüchtlinge durch das Land. Der verbissene Kampf der chinesischen Bevölkerung band über lange Zeit den Großteil der militärischen Kräfte des japanischen Militarismus und kämpfte gegen ihn. Mehr als 1,5 Millionen japanischer Soldaten wurden getötet, was einen entscheidenden Beitrag für den vollständigen Zusammenbruch der japanischen Invasoren bedeutete. Gleichzeitig flankierte und unterstützte China auf dem asiatischen Kriegsschauplatz wirkungsvoll die Kämpfe der Alliierten in Europa und im Pazifik. Damit hat es sich bleibende Verdienste um den letztendlichen Sieg im Zweiten Weltkrieg erworben.

Wer den rechten Weg beschreitet, dem helfen viele, wer vom rechten Weg abweicht, dem helfen wenige. Bei seinem Widerstand gegen die japanischen Agressoren hat das chinesische Volk die Unterstützung von vielen internationalen Freunden erhalten, darunter auch von zahlreichen Deutschen mit Sinn für Gerechtigkeit. Am Vorabend des japanischen Angriffs auf Nanjing 1937 initiierte der ehemalige Siemens-Vertreter in China, John Rabe, zusammen mit anderen internationalen Freunden die Errichtung einer Sicherheitszone, die etwa 250.000 chinesischen Zivilisten Zuflucht bot. Sein privates Tagebuch protokolliert aus der Perspektive eines Dritten objektiv die Greueltaten der Japaner in Nanjing und bildet heute wertvolles Material für die Erforschung des Zweiten Weltkriegs. Weiterhin hat Hans Müller als Lazarettarzt während des Widerstandskrieges gegen die japanische Aggression viele Menschen vor dem Tod bewahrt und Verwundete versorgt; er hat ungezählten Chinesen das Leben gerettet. Nach dem Krieg hat er die chinesische Staatsangehörigkeit angenommen und noch bedeutende Beiträge für den Aufbau des Gesundheitswesens Chinas geleistet. Die chinesische Bevölkerung wird diese Persönlichkeiten nicht vergessen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

Der Sieg in Zweiten Weltkrieg war für die Menschheit ein Sieg des Guten über das Böse. Vor 70 Jahren wurden die Vereinten Nationen gegründet, und die internationale Nachkriegsordnung, deren Fundament die Prinzipien der “Charta der Vereinten Nationen” bilden, ist in der Folge entstanden. Diese Ordnung ist die Basis von Frieden und Stabilität in der heutigen Welt. Wenn wir des Sieges im Zweiten Weltkrieg gedenken, dann tun wir dies auch, um die internationale Nachkriegsordnung zu schützen, um uns gegen die Negation der Geschichte zu stellen, und um den Frieden der Menschheit zu bewahren.

Der Sieg im Zweiten Weltkrieg war für die chinesische Nation ein Wendepunkt hin zu ihrem Wiederaufschwung. Gestützt auf seinen festen Willen und durch seinen hartnäckigen Kampf konnte das chinesische Volk die Invasoren aus dem Land vertreiben und den Traum von Generationen verwirklichen - die nationale Unabhängigkeit und die Befreiung des Volkes. Als eine der Haupt-Siegermächte beteiligte sich China aktiv am Wiederaufbau der internationalen Ordnung nach dem Krieg und wurde eines der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Die Kommunistische Partei Chinas führte das chinesische Volk an beim Aufbau des Neuen China, und sie verwirklichte die bedeutendste und tiefstgehende gesellschaftliche Umgestaltung Chinas in seiner Geschichte. In den letzten 70 Jahren hat sich China von einem armen und schwachen Land zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde und zur größten Handelsmacht entwickelt, seine Entwicklung erzielte in der ganzen Welt beachtete Erfolge, und sein internationaler Rang und sein Einfluß haben sich deutlich erhöht. Gegenwärtig kämpft Chinas Bevölkerung für die friedliche Entwicklung ihres Landes und für die Verwirklichung des “chinesischen Traums” von der großen Renaissance der chinesischen Nation.

Die Vergangenheit, die man nicht vergisst, wird zum Leitfaden für die Zukunft. Nicht um der Fortführung des Hasses willen veranstalten wir heute hier ein feierliches Gedenken, sondern ums uns die Geschichte eine Lehre sein zu lassen und um in die Zukunft zu blicken; wir müssen die Vergangenheit besser analysieren und die Lehren aus ihr ziehen, um eine Wiederholung solcher historischer Tragödien zu verhindern. 70 Jahre sind nun vergangen, friedliche Entwicklung und Zusammenarbeit zum wechselseitigen Nutzen sind zum Mainstream der globalen Entwicklung geworden, aber es gibt immer noch Faktoren, die den Frieden gefährden, die zerstörerischen Risiken für die regionale Stabilität wachsen nach wie vor an, und einige rechte Elemente versuchen immer noch, die Geschichte der Agression schönzureden bzw. zu negieren; hier müssen wir erhöhte Wachsamkeit walten lassen. Die chinesische Nation ist seit jeher friedliebend, und sie war immer schon eine feste Kraft für die Erhaltung des Weltfriedens. Die Chinesen haben nie Agression gegen andere Länder begangen, sie waren stets selbst die Opfer von Krieg und Kolonialismus; das Leid, das Kriege bringen, hat sich tief in ihre Erinnerung eingegraben. Wir werden konsequent und unbeirrt den Weg der friedlichen Entwicklung weitergehen und eine Außenpolitik der Unabhängigkeit, der Selbstbestimmung und des Friedens betreiben. Wir haben den Wunsch, zusammen mit der Völkergemeinschaft gemeinsam die Früchte des Sieges im Zweiten Weltkrieg zu verteidigen, die Nachkriegsordnung zu bewahren und vereinte Anstrengungen zu unternehmen für den Aufbau einer nachhaltig friedlichen und im Miteinander prosperierenden Welt.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

die Geschichte ist Wurzel und Quell der heutigen Realität, die Gegenwart jedes Landes kommt aus seiner Vergangenheit. Ich arbeite schon lange in Deutschland, und mir ist besonders aufgefallen, dass man im Westen, auch in Deutschland, den europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkrieges sehr gründlich erforscht hat. Doch vom Widerstandskrieg Chinas weiß man sehr wenig. Dies ist einem objektiven Verständnis der gegenwärtigen Entwicklung Chinas durch den Westen abträglich. Kürzlich veröffentlichte Rana Mitter vom China Centre der University of Oxford ein Werk mit dem Titel“Forgotten Ally: China's World War II”, in dem er darauf hinweist, der Westen müsse mit seiner “eurozentrischen” Geschichtsauffassung aufräumen und die enormen Opfer und Beiträge, die China für den globalen antifaschistischen Krieg erbracht habe, fair und objektiv bewerten. Zum heutigen Symposium in unserer Botschaft haben wir vier deutsche Fachgelehrte eingeladen, die uns aus wissenschaftlicher Sicht die Schauplätze des Zweiten Weltkrieges vorstellen werden. Wir hoffen, dass wir damit noch mehr Wissenschaftlern und Laien in Deutschland diesen Abschnitt der Geschichte näherbringen können, damit sie dadurch das gegenwärtige und das zukünftige China noch besser verstehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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