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Rede von Botschafter Shi Mingde auf dem Empfang zum Nationalfeiertag 2015
2015/10/06
 

Es ist für mich eine große Freude, dass ich Sie am heutigen Abend in so großer Zahl in der chinesischen Botschaft begrüßen und gemeinsam mit Ihnen in froher Stimmung den 66. Gründungstag der Volksrepublik China begehen kann. Viele unserer Gäste aus den verschiedenen Bundesländern haben dafür einen weiten Weg auf sich genommen. Zu allererst möchte ich allen aus Deutschland und anderen Ländern kommenden Freunden, die sich mit China verbunden fühlen und das Gedeihen der chinesisch-deutschen Beziehungen unterstützen, meinen tief empfundenen Dank aussprechen!

Wir blicken auf ein Jahr der Unruhe und vielerlei Krisen in der Welt zurück. Seit Beginn dieses Jahres standen Schwankungen in der chinesischen Konjunktur, bei seinem Aktienmarkt und beim Wechselkurs des Renminbi im Zentrum der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft und der Medien. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle sagen, dass die Wirtschaft Chinas zwar mit nicht wenigen Schwierigkeiten und einem Abwärtsdruck konfrontiert ist, dass sie aber von der Basis her stabil ist. Ihr Wachstum von 7% im ersten Halbjahr steht im Vergleich mit den wichtigen Volkswirtschaften der Welt nach wie vor an vorderster Stelle, sie trägt 30% zum globalen Wachstum bei. Gleichzeitig zeichnet sich im Zuge der Anpassung der chinesischen Wirtschaftsstruktur ein positiver Wandel ab: Bei Innovationen und Firmengründungen gibt es einen guten Trend. Jeden Tag werden landesweit 10.000 Firmen gegründet, und im ersten Halbjahr wurden im städtischen Bereich 7,18 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit sind schon über 70% des Jahressolls erfüllt. Die Preise blieben weitgehend stabil, der Einzelhandel mit Konsumgütern wuchs mehr als 10%, die verfügbaren Einkommen wuchsen real um 7,6%, und die Binnennachfrage trug damit deutlich stärker zum Wachstum der Wirtschaft bei.

Die chinesische Wirtschaft tritt in eine neue Normalität ein, die Fertigungsindustrie durchläuft ein Upgrade von einem extensiven zu einem intensiven Wachstum, und es findet ein Wechsel statt von einer übertrieben export- und investitionsgetriebenen Wirtschaft zu einer, in der Konsum und Investitionen in ausgewogener Weise die Triebkräfte bilden. Natürlich ist im Zuge dessen das Wirtschaftswachstum Schwankungen unterworfen, das ist ein ganz normales Phänomen in einer Phase der Anpassung und der Transformation. Die Schwankungen an Chinas Börsen und beim Kurs des Renminbi sind im Ganzen gesehen ebenfalls normale, auf die Marktkräfte zurückgehende Korrekturen. Die Gesamtrichtung der chinesischen Reformen wird sich nicht ändern, sie bedeutet das Zugehen auf mehr Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit und die Heranbildung eines offenen, transparenten und sich langfristig stabil und gesund entwickelnden Kapitalmarktes, um das Auftreten von regionalen oder systemischen Finanzrisiken auszuschließen.

Was die Entwicklungsperspektiven der chinesischen Wirtschaft betrifft, fühlen wir uns gut aufgestellt, und wir haben Selbstvertrauen. Gut aufgestellt, weil es in den 66 Jahren seit Gründung des Neuen China einen kompletten Wandel gegeben hat und wir auf einer festen Basis und einer Summe von Erfolgen aufbauen können. Und speziell in den gut 30 Jahren seit Beginn von Reform und Öffnung ist China zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde geworden, China wurde weltweit die Nummer Eins bei den Devisenreserven, bei der Fertigungsindustrie, beim Warenhandel, bei den Patentanmeldungen, bei der Zahl der Studenten usw.. Wir haben Selbstvertrauen, weil die chinesische Wirtschaft noch über gewaltige Reserven verfügt. Chinas Prozesse der Industrialisierung neuen Typs, der Informatisierung, der Urbanisierung und der Modernisierung der Landwirtschaft sind in einer Phase der Vertiefung und des Voranschreitens, und sie bringen eine starke Inlandsnachfrage mit sich. Auch die Strukturreformen, die China energisch vorantreibt, erbringen eine kontinuierliche Reformdividende.

In diesem Jahr haben wir feierlich des 70. Jahrestages des Sieges des chinesischen Volkes im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression und im weltweiten Krieg gegen den Faschismus gedacht. In der FAZ habe ich kürzlich einen Leserbrief gefunden, in dem es heißt: “Der 1. September 1939 war nur der Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa. Doch mit der Invasion Japans in China hatte der Zweite Weltkrieg schon vorher begonnen, und er war auch mit dem 8. Mai 1945 nicht zu Ende.” Dies ist richtig, denn der Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression hatte zuerst begonnen, und er dauerte am längsten. In ihm opferte sich die größte Zahl an Menschen auf, um die Front des Zweiten Weltkriegs im Osten zu halten. Damit wurde ein bedeutender Beitrag für den Sieg im weltweiten Krieg gegen den Faschismus erbracht.

Wenn wir uns an diesen Abschnitt der Geschichte erinnern, dann geschieht dies keinesfalls, um Hass lebendig zu erhalten, sondern um die Menschen aufzurufen, nach Frieden zu streben und ihn zu bewahren, damit sich eine solche historische Tragödie niemals wiederholt. Eben aus seinen leidvollen historischen Erfahrungen heraus wird das chinesische Volk beharrlich weiter seinen Weg der friedlichen Entwicklung gehen. Die von Präsident Xi Jinping verkündete erneute Verringerung der Truppenstärke um 300.000 Mann ist ein positives Signal für die entschlossene Wahrung des Weltfriedens durch China.

In diesem Jahr jährt sich auch die Gründung der Vereinten Nationen zum 70. Mal. Vor wenigen Tagen hat Präsident Xi Jinping den USA einen Staatsbesuch abgestattet, und er wohnte dem VN-Gipfel aus Anlass dieses 70jährigen Jubiläums bei. Bei seinem Besuch in den USA erzielten die Führungspersönlichkeiten der beiden Länder in vielen Aspekten des Ausbaus der bilateralen Beziehungen und der gemeinsamen Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen wichtigen Konsens. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen hob Präsident Xi hervor, dass die Menschheit bereits zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengewachsen sei, dass die Länder der Welt die internationale Ordnung und das internationale System bewahren müssten, deren Kern die Ziele und Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen bildeten, und dass sie aktiv internationale Beziehungen eines neuen Typs aufbauen sollten, deren Kern die Zusammenarbeit und der allseitige Nutzen bildeten. Dies alles zeigt ganz klar, dass China ein entschlossener Verteidiger und aktiver Mitgestalter der geltenden internationalen Ordnung ist, und dass China für den Weltfrieden und die globale Entwicklung seine eigenen Beiträge erbringen wird.

Liebe Freunde!

China und Deutschland haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen. In den zurückliegenden 43 Jahren haben sich die chinesisch-deutschen Beziehungen rasch und umfassend entwickelt und viele Erfolge gezeitigt; zwischen China und Deutschland besteht nun eine umfassende strategische Partnerschaft. In meinen drei Jahren als Botschafter Chinas in Deutschland hat Präsident Xi Deutschland einen Staatsbesuch abgestattet, Ministerpräsident Li Keqiang war zwei Mal in Deutschland, und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat China 2012 und 2014 besucht, dazu kommen zwei Runden der chinesisch-deutschen Regierungskonsultationen. Im nächsten Monat wird Bundeskanzlerin Merkel ihre 8. Reise nach China antreten. Die politischen Beziehungen zwischen China und Deutschland sind gefestigt, und die chinesisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen nehmen mit Abstand eine Spitzenposition ein.

2014 erreichte das chinesisch-deutsche Handelsvolumen 177,8 Milliarden US-Dollar, das 650fache des Werts von 1972, als die diplomatischen Beziehungen geknüpft wurden. Dieses Volumen steht für 30% des Handels Chinas mit der EU. Im März dieses Jahres agierte China auf höchst erfolgreiche Weise als Partnerland der CEBIT in Hannover, und China und Deutschland führten erstmals einen hochrangigen Finanz-Dialog. Im Juli besuchte Vizekanzler und Wirtschaftsminister Gabriel China, wo er von Staatspräsident Xi Jinping empfangen wurde. Noch in diesem Jahr werden China und Deutschland ihren ersten „strategischen außen- und sicherheitspolitischen Dialog“ durchführen. Beide Länder haben auf der Basis der Gegenseitigkeit Maßnahmen zur Erleichterung der Visavergabe ergriffen, was den Personenverkehr und den Kulturaustausch zwischen China und Deutschland mit Sicherheit fördern wird. Die chinesisch-deutschen Beziehungen sind derzeit so gut wie nie zuvor. Dies ist ein Erfolg der Bemühungen auf beiden Seiten und von Ihnen allen.

Zum Abschluss möchte ich nun mit Ihnen das Glas erheben: Auf das Wohlergehen Chinas, auf noch engere Beziehungen zwischen China und Deutschland, und auf die Gesundheit aller Anwesenden: Ganbei!

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