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Botschafter Shi: Kein Ausverkauf deutscher Firmen
2016/11/08

NÜRNBERG—„Wir wünschen uns auch eine Willkommenskultur.“ Mit diesem Satz spielte Chinas Botschafter in Deutschland, Mingde Shi, auf eine ganze Reihe von Konflikten zwischen den beiden Ländern an. Doch die sollten nicht die insgesamt gute Verfassung der bilateralen Beziehungen überdecken, sagte er gestern vor der Presse in Nürnberg, bevor er beim IHK-Kammergespräch referierte.

Wäre er Amerikaner, hätte er wohl „Bullshit“ gesagt zu der „German Angst“ vor einem Ausverkauf deutscher Hightech-Unternehmen an angebliche Invasoren aus Peking. Doch das ist er nicht, sondern der Botschafter der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und will vor allem mit Zahlen und Fakten davon überzeugen, dass die Furcht unberechtigt sei. In den vergangenen fünf Jahren—seitdem also China verstärkt mit den Auslandsinvestitionen begonnen hat — seien lediglich drei Mrd. € hier investiert worden. Das entspreche 0,3 Prozent der gesamten ausländischen Investitionen in Deutschland.

Es war ja nicht nur der Roboterhersteller Kuka: Tatsächlich hatten chinesische Unternehmen in Deutschland zuletzt mit mehreren großen Übernahmen für Aufsehen gesorgt. Aktuell laufen Angebote für den Spezialmaschinenbauer Aixtron und für die Osram- Sparte Ledvance — diese liegen aber noch auf Eis, weil Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Übernahmen genauer unter die Lupe nehmen will. Shi warnte: „Das soll nicht Schule machen.“ Er sieht Europa, ähnlich wie die USA, auf protektionistischen Pfaden wandeln.

Auch Konzernlenker wie Siemens-Chef Joe Kaeser hatten in diesen Monaten vor übertriebenen Ängsten gewarnt nach dem Motto: Die Europäer investierten schon sehr lange im Reich der Mitte und sollten sich nun nicht wundern, wenn der Spieß mal umgedreht würde. Shi zielte in dieselbe Richtung: „Früher war die Investitionstätigkeit eine Einbahnstraße.“ Mit dem Ergebnis, dass Deutschland 8200 Firmen in China unterhalte.

IHK-Präsident Dirk von Vopelius ergänzte dies um regionale Zahlen. Mittelfrankens Wirtschaft zählt 565 Firmen mit Handelsbeziehungen zu China, 230 davon mit dauerhaften Engagements. Eine besondere Rolle komme dabei der NürnbergMesse mit ihrer BioFach China zu, der größten Biomesse in China. Und ist nicht der TV-Hersteller Metz in Zirndorf von Chinesen, der Gruppe Skyworth, vor dem Untergang gerettet worden?

Doch werfen nicht auch die Europäer den Chinesen Protektionismus vor? Insbesondere die Stahlbranche, die unter weltweiten Überkapazitäten leidet, klagt über die Praktiken ihrer chinesischen Konkurrenten und wirft ihnen Dumping vor. Shi beruft sich auf die WTO-Regeln, die sein Land vor 15 Jahren unterzeichnet hatte. Und plötzlich spreche die EU den Chinesen ab, eine Marktwirtschaft zu sein, nicht dagegen Russland. „Das ist ungerecht. Die EU soll ihre Verpflichtungen einhalten und keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen einführen.“

Gewiss, zu bestimmten Themen gebe es Probleme in den Wirtschaftsbeziehungen China—Deutschland, räumte der Botschafter ein. Aber es sei falsch, dass die Regierung in Peking Minister Gabriel habe auflaufen lassen. Die Medien hätten sich das ausgedacht. Shi: „Die Gespräche des deutschen Vizekanzlerswaren freundschaftlich und fruchtbar.“

Quelle: NÜRNBERG Zeitung

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