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Ansprache von Botschafter Wu Ken anlässlich des Online-Festaktes zum 71. Jahrestag der Gründung der VR China
2020/09/28

Sehr geehrter Vizepräsident des Bundestags Dr. Friedrich,

Sehr geehrter Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Herr Berger,

Sehr geehrter Präsident der DIHK Dr. Schweitzer,

Meine Damen und Herren! Liebe Freunde!

Guten Tag!

Zunächst einmal begrüße ich Sie ganz herzlich zu unserem Empfang, der in diesem Jahre online stattfindet, um auf diese ungewöhnliche Art und Weise mit Ihnen gemeinsam den 71. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China zu feiern.

2020 ist ein ungewöhnliches Jahr. Eine seit hundert Jahren nie erlebte Pandemie stellt die internationale Gemeinschaft in Hinblick auf die öffentliche Gesundheit und die Erholung der Wirtschaft vor vielfältige Herausforderungen. Jedes einzelne Land und jeder einzelne Mensch sind davon zutiefst betroffen.

China war das erste Land der Welt, der von dem neuartigen Coronavirus befallen wurde. Angesichts der schweren Epidemie hat das chinesische Volk beispiellose Solidarität, Tapferkeit und Opferbereitschaft an den Tag gelegt. In kaum mehr als einem Monat wurde die Ausbreitung der Epidemie weitgehend eingedämmt, in zwei Monaten wurde die Zahl der täglichen Neuinfektionen vor Ort im einstelligen Bereich gehalten. In weniger als drei Monaten ist in Wuhan und anderen Risikogebieten im Großen und Ganzen wieder der Alltag eingekehrt. Heute ist China mit einem etablierten regulären Präventionsmechanismus in der Lage, Corona-Fälle rechtzeitig zu diagnostizieren, Infizierte zügig zu behandeln und das Infektionsgeschehen zielgenau zu kontrollieren.

Nach Ausbruch der Epidemie haben wir auf offene, transparente und verantwortungsbewusste Art und Weise die internationale Zusammenarbeit gefördert. Unverzüglich wurden die Weltgesundheitsorganisation und die betroffenen Länder von der Epidemie in Kenntnis gesetzt, und unverzüglich wurde die Gensequenz des Virus veröffentlicht. Die Erfahrungen bei der Prävention und Behandlung der Krankheit wurden mit allen Seiten geteilt. Nach besten Kräften haben wir bedürftigen Ländern umfangreiche Hilfe und Unterstützung bereitgestellt und klargemacht, nachdem der chinesische Impfstoff entwickelt und zugelassen wird, wird er als globales öffentliches Gut zur Verfügung gestellt.

In diesem Kampf gegen die Pandemie sitzen China und Deutschland im selben Boot. Die beiden Länder helfen einander, treten gemeinsam für internationale Zusammenarbeit ein, unterstützen entschieden die WHO und setzen beizeiten wie beharrlich ihre Kräfte für die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft in der Pandemiebekämpfung ein. Wie die Regierungen, Kommunen, Institutionen und Einzelpersonen beider Länder unverzüglich für die andere Seite Material zur Bekämpfung der Epidemie spendeten und einander unterstützten, schrieb so manches anrührende Kapitel für die Geschichtsbücher. Beide Seiten stimmen sich kreativ auf unterschiedlichen Kanälen weiterhin eng miteinander ab, und die Häufigkeit des Austauschs zwischen den Spitzenpolitikern hat im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie noch zugenommen. Erst kürzlich hat der Staatspräsident Xi mit Bundeskanzlerin Merkel sowie der Präsidentin der Europäischen Kommission von der Leyen und dem Präsidenten des Europäischen Rates Michel eine Videokonferenz abgehalten, von der positive Signale für die konzertierten Anstrengungen bei der Wahrung des Multilateralismus, der Verbesserung der globalen Governance und der verstärkten Zusammenarbeit in der Pandemiebekämpfung ausgingen.

In den Fängen der Pandemie hat die chinesische Wirtschaft beachtliche Widerstandskraft und großes Potenzial an den Tag gelegt. Im zweiten Quartal wurde der Abschwung gestoppt, und es setzte die Erholung ein. Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 3,2% lag China weltweit an der Spitze der sich erholenden Länder, was der Zuversicht der internationalen Gemeinschaft in die globalen Lieferketten sowie in die Erholung der Wirtschaft einen gewaltigen Schub verlieh. Auf Gebieten wie Stay-at-home Economy, Cloud Office, Digitalwirtschaft, Künstlicher Intelligenz und Gesundheitswesen wurde in der Corona-Krise eine enorme Vitalität freigesetzt, die geeignet scheint, der Umgestaltung der chinesischen Wirtschaft neuen Auftrieb zu verleihen.

Deutschland ist Chinas größter Handelspartner unter den EU-Ländern, und auch China ist über vier Jahre in Folge Deutschlands größter Handelspartner weltweit. Die Erholung der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen beschleunigt sich. Um die Wiederaufnahme von Arbeit und Produktion zu unterstützen sowie die Wertschöpfungs- und Lieferketten zu stabilisieren, stimmen sich China und Deutschland eng miteinander ab und haben zwischen China und Europa ein erstes Fast-Track errichtet, das fast 3000 Angestellten deutscher Firmen und ihren Angehörigen die Rückreise nach China ermöglichte. Der bilaterale Handel zeigt in letzter Zeit deutliche Erholungstendenzen. Nach Statistiken der deutschen Seite ist das Volumen von deutschem Import und Export in Richtung China im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat jeweils um 20,2% bzw. 15,4% gestiegen. Die deutschen Firmen in China haben ihre Produktion wieder hochgefahren. Der Umsatz vieler Unternehmen ist sogar gegen den Trend gewachsen. Wir sind zuversichtlich, dass die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel die Auswirkung der Pandemie in den Griff bekommen wird und damit für die Wirtschaft und Gesellschaft beider Länder einen gewichtigen Beitrag leisten können.

Meine Damen und Herren! Liebe Freunde!

2020 ist für die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft auch ein sehr spezielles Jahr. Wir werden bald das erste Jahrhundertziel erreichen, den Aufbau einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand zu vollenden, unseren Plan zur Bekämpfung der Armut zu erfüllen und die extreme Armut auszumerzen, womit wir in eine völlig neue Entwicklungsstufe treten. In den vergangenen 71 Jahren hat das chinesische Volk unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas hart gekämpft. Die Volksrepublik ist von einem bitterarmen Land zur zweitgrößten Wirtschaft der Welt aufgestiegen, wodurch mehr als 850 Millionen Menschen aus den Fesseln der Armut befreit wurden. Von der Entwicklung Chinas profitiert das chinesische Volk, aber sie kommt auch der ganzen Welt zugute. Zehn Jahre in Folge hat der Anteil Chinas am weltweiten Wirtschaftswachstum mehr als 30% betragen. Für mehr als 130 Länder und Regionen ist China der größte Handelspartner und es bietet sich zudem als weltweit zweitgrößter Verbrauchermarkt an. Wir treten für Offenheit und Toleranz ein, bekennen uns zum Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit und haben die Belt and Road Initiative ergriffen. Damit bringen wir chinesische Vorschläge für eine friedliche Koexistenz, eine gemeinsame Entwicklung und einen gemeinsamen Wohlstand aller Völker ein.

Mit der raschen Entwicklung Chinas steigt auch die Aufmerksamkeit, die unserem Land seitens der internationalen Gemeinschaft zuteil wird. Aufgrund unterschiedlicher historischer und kultureller Hintergründe, Gesellschaftssysteme und Entwicklungsmodelle bestehen bei verschiedenen Ländern unterschiedliche Ansichten zu einigen Themen, die unvermeidlich zu Kontroversen führen. Das verstehen und respektieren wir und sind willens, nach dem Prinzip, trotz aller Unterschiede die Gemeinsamkeiten zu suchen, durch Dialog in gegenseitigem Respekt das wechselseitige Verständnis zu fördern, die Widersprüche aufzulösen sowie das politische Vertrauen und den Rahmen der Zusammenarbeit vor Schaden zu bewahren. Doch wir verwahren uns auch gegen einzelne Staaten und Politiker, die Chinas Namen in den Schmutz ziehen, sich hemmungslos in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen, die Kerninteressen Chinas untergraben und dem chinesischen Volk auf tyrannische Art und Weise das Recht auf Entwicklung und ein Leben in Frieden absprechen, ja sich sogar vergeblich abmühen, die Welt 75 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wieder in feindliche Lager zerfallen zu lassen.

Meine Damen und Herren! Liebe Freunde!

Die Pandemie ist noch nicht vorüber, die internationale Gemeinschaft muss weiterhin Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Krankheit zu bekämpfen. Auf mittlere und lange Sicht gesehen wird sich nichts daran ändern, dass die chinesische Wirtschaft sich aus einer stabilen Lage heraus immer besser entwickelt und das Tor nach Außen immer weiter aufgeht. Die innere Logik der chinesisch-deutschen wie auch chinesisch-europäischen Zusammenarbeit, nach der diese komplementär ausgerichtet ist und beiden Seiten Vorteile bringt, hat sich keineswegs geändert. Der Aspekt der bilateralen Kooperation ist wichtiger als der Aspekt des Wettbewerbs, die gemeinsamen Interessen sind stärker als die Widersprüche und Streitigkeiten.

Blicken wir zurück auf die Vergangenheit, auf Chinas Entwicklung, auf die Vertiefung der chinesisch-deutschen Beziehungen und auf Austausch und Kooperation in den verschiedensten Gebieten, so wäre das alles ohne die Bemühungen der Gleichgesinnten beider Länder nicht denkbar gewesen. „Je mehr Menschen Holz zusammentragen, desto höher lodert das Feuer." So lautet ein chinesisches Sprichwort. Wir freuen uns über die errungenen Erfolge und sehen der künftigen Entwicklung hoffnungsvoll entgegen. Ich bin zuversichtlich, dass China mit Deutschland und Europa weiterhin Seite an Seite schreiten, die Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil auf ein neues Niveau heben und neue Beiträge zur Wahrung von Frieden und Stabilität in der Welt sowie zur Förderung der gemeinsamen Entwicklung leisten wird.

Möge mein Vaterland blühen und gedeihen! Möge die chinesisch-deutsche Freundschaft ewig währen! Mögen wir alle die Corona-Krise bald überwinden und bei guter Gesundheit sein!

Ich danke Ihnen.

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