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China hält an realistischer Geldpolitik fest
2020/03/06

Chinas Zentralbank hat sich auf einer Sitzung am Mittwoch gegen den allgemeinen Trend der Zinssenkungen gestemmt und stattdessen betont, dass der Geschäftsbetrieb der Unternehmen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden müsse. Stagnierende Produktion sei die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft.

Die chinesische Zentralbank hat am Mittwoch entschieden, einen realistischen Kurs in der Geldpolitik beizubehalten, anstatt sich der globalen Welle von Zinssenkungen anzuschließen. Statt die Geldpolitik weiter zu lockern hob die Notenbank die vorrangige Aufgabe hervor, die Folgen des Ausbruchs einzudämmen, was vor allem die Beschleunigung der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs bedeutet. Die politischen Entscheidungsträger waren sich darin einig, dass eine stagnierende Produktion eine große Gefahr für die Wirtschaft darstellt.

Wenige Stunden vor dem Treffen hatte die amerikanische Notenbank Federal Reserve eine Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte beschlossen. Dies war die größte Senkung seit dem Jahr 2008 und erfolgte mit dem Ziel, die Finanzmärkte angesichts der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus zu beruhigen und die Wirtschaft zu stabilisieren.

Die Zielspanne für die Bundesmittel wurde auf 1 bis 1,25 Prozent gesenkt. Die Fed begründete dies mit der Sorge, dass das Coronavirus ein Risiko für die Wirtschaftstätigkeit darstellen könnte. Beobachter vermuten, dass der jüngste Schritt der Fed die Chance auf eine koordinierte politische Reaktion der Zentralbanken zur Bekämpfung einer globalen Rezession erhöht. Genau davor hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag gewarnt und die Befürchtung geäußert, dass der schlimmste Abschwung seit der Finanzkrise bevorstehen könnte.

Die Zinssenkung der Fed erfolgte noch vor der geplanten Sitzung im März und überraschte die globalen Finanzmärkte. Doch amerikanische Aktien entwickelten sich nicht wie erwartet. Nach einer Erholung im frühen Handel gaben sie ihre Kursgewinne schnell wieder ab.

Die chinesischen Finanzmärkte reagierten positiv auf die Maßnahmen der Fed. Der CSI300-Index, der die wichtigsten an den Börsen in Shanghai und Shenzhen notierten Aktien erfasst, stieg am Mittwoch um 0,58 Prozent auf 4115,05 Punkte. Der chinesische Yuan legte während des Onshore-Handels um 0,68 Prozent auf 6,9285 Yuan pro US-Dollar zu, den stärksten Wert seit dem 23. Januar.

Die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender COVID-19-Infektionsfälle außerhalb Chinas, während es in China Anzeichen einer Entspannung der Lage gibt. Analysten glauben, dass sich auch andere Notenbanken dazu veranlasst sehen könnten, eine neue Runde geldpolitischer Lockerung und Steigerung der Liquidität einzuleiten.

„Die Zinssenkung ist nicht stark genug, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus einzudämmen", sagte Li Xunlei, Chefökonom bei Zhongtai Securities. Die geldpolitische Lockerung sei insgesamt nicht effizient genug, um kleine und mittlere Unternehmen in den vom Ausbruch am stärksten betroffenen Sektoren zu schützen.

„In China hat die Zentralbank bereits schnell auf die negativen Folgen durch den Virus reagiert. Alle nachfolgenden Schritte hängen von der Situation im Land ab. Die unterstützende Politik sollte gezielter sein, um eine massive Lockerung der Geldpolitik zu vermeiden", sagte Wen Bin, Chefökonom bei der China Minsheng Bank.

Bei der Sitzung der Zentralbank am Mittwoch unter dem Vorsitz ihres Gouverneurs Yi Gang wurde betont, dass die Stabilisierung der Erwartungen zu den vorrangigen Aufgaben gehöre. Darüber hinaus sollte sich die Geldpolitik auf die Kreditvergabe und die Innovation neuer Instrumente konzentrieren. „Die umsichtige Geldpolitik sollte flexibler und moderater sein und gleichzeitig ausreichend Liquidität auf einem vernünftigen Niveau bereitstellen und den Rahmen für die makroprudenzielle Bewertung verbessern", hieß es.

Yi forderte die Inanspruchnahme der 300 Milliarden Yuan aus dem Relending-Fonds für Unternehmen, die wichtige Ressourcen zur Eindämmung der Epidemie bereitstellen. Zusätzlich sollten weitere 500 Milliarden Yuan für kleinere Unternehmen sowie eine Sonderkreditquote von 350 Milliarden Yuan für drei Banken bereitgestellt werden, um die Wiederaufnahme der Produktion zu beschleunigen. Alle diese Richtlinien wurden im vergangenen Monat ausgearbeitet. Er warnte jedoch vor Spekulation auf dem Immobiliensektor. „Immobilien sollten nicht als Maßnahme zur kurzfristigen Stimulation der Wirtschaft eingesetzt werden", sagte er, spekulative Investitionen in Wohnimmobilien sollten vermieden werden.

Quelle: German.people.cn

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