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Jakobsberger Gespräche in Ockenheim: Chinesischer Botschafter Shi Mingde über ökologischen Wandel
2015/09/25

MAINZ-BINGEN - Es war ein komplexes Thema, das sich Shi Mingde, Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland, für diesen Abend vorgenommen hatte. Auf Einladung von Landrat Claus Schick sprach der Diplomat im Rahmen der Reihe „Jakobsberger Gespräche" in Ockenheim über die „Entwicklung in China und neue Chancen für die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit". Der 60-Jährige hat von 1972 bis 1975 in der ehemaligen DDR studiert, danach verschiedene Stationen im auswärtigen und Botschaftsdienst durchlaufen, war zwei Jahre lang Botschafter der Volksrepublik China in Wien, bevor er 2012 in eben dieser Funktion nach Berlin wechselte. Shi Mingde spricht nicht nur exzellentes Deutsch, er ist auch ein profunder Kenner des Landes, dessen Entwicklung er seit den frühen 1970er Jahren in Ost und West begleitet hat. „Die Wende habe ich direkt am Grenzübergang Bornholmer Straße mitverfolgt", verriet der Botschafter.

Dann aber wandte er sich seinem eigentlichen Thema zu, der Entwicklung Chinas zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. „1978 haben wir die Politik der Reformöffnung eingeführt", so Shi Mingde. Seither habe sich China grundlegend verändert. „In den vergangenen 35 Jahren haben wir 300 Millionen Menschen aus der Armut geholt", nannte er ein Beispiel. Man habe den Lebensstandard erheblich verbessert, wenngleich Armut noch immer eine große Herausforderung, und die Volkswirtschaft rasant gewachsen sei. Doch die Phase des zweistelligen Wachstums sei vorbei – nicht nur, weil es nicht in dieser Geschwindigkeit weitergehen könne, sondern weil man es auch nicht wolle. „Wir haben einen hohen Preis bezahlt", konstatierte Shi Mingde mit Blick auf Umweltschäden und Ressourcenverbrauch. Man müsse neue Strategien ausarbeiten.

Was China anstrebe, sei eine „ausgewogene ökologische Entwicklung", wobei man ehrgeizige Ziele hat: Bis 2020 soll sich der Anteil an erneuerbaren Energien auf 18 Prozent erhöhen und der CO2-Ausstoß auf Basis des Wertes von 2005 um 40 Prozent reduzieren. Von der Innovationspartnerschaft mit Deutschland erhofft sich China wichtige Impulse, wiewohl die deutsche Energiewende kein kopierfähiges Modell zu sein scheint. „Wir können uns keinen Atomausstieg leisten", nannte der Diplomat einen wesentlichen Unterschied. Die deutsch-chinesischen Beziehungen bezeichnete er als „sehr eng" – sowohl auf politischer wie auf wirtschaftlicher Ebene.

In der anschließenden Diskussion kam eine breite Palette an Themen zur Sprache, darunter auch der immer wieder aufkeimende territoriale Konflikt zwischen Japan und China um eine Inselgruppe im chinesischen Meer. „Was da passiert, ist nichts Besonderes" meinte Shi Mingde. Zu einer militärischen Konfrontation werde es nicht kommen.

Auf die Frage, wie es China mit Pressefreiheit und Menschenrechten halte, antwortete der Diplomat diplomatisch: „Wir stehen zu den universellen Menschenrechten und zur Demokratie." Wie man das verwirkliche, hänge vom Entwicklungsstandard ab. Demokratie brauche Zeit und ein demokratisches Bewusstsein. „Wir wollen auch mehr Rechtsstaatlichkeit, aber das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht."(Quelle:ALLGEMEINE ZEITUNG http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/landkreis-mainz-bingen/jakobsberger-gespraeche-in-ockenheim-chinesischer-botschafter-shi-mingde-ueber-oekologischen-wandel_16181022.htm )

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